Die Herde

von susizintl

Siegmund Freud schrieb dazu:

„….dass in den Massen der Einzelne ein Gefühl unendlicher Macht erlangt, welche es ihm gestattet, Triebe auszuleben, die er als Individuum hätte zügeln müssen. Diese Machtgefühle und Sicherheit ermöglichen es dem einzelnen Individuum, nicht nur als Teil einer Masse zu agieren, sondern auch sich Sicherheit in der Masse zu holen. Damit einher geht jedoch ein Schwund der bewussten Persönlichkeit und es entsteht eine Neigung, sich von jedem Affekt innerhalb der Masse anstecken zu lassen und durch „gegenseitige Induktion“ wiederum den Affekt zu verstärken. Insgesamt ist die Masse „impulsiv, wandelbar und reizbar. Sie wird fast ausschließlich vom Unbewussten geleitet.“

Interessant auch in diesem Zusammenhang für Interessierte: Ansteckungstheorie und Annäherungstheorie

Was genau nun macht die Herde hinter Fr. Hannemann aus?

Als Erstes war zu beobachten, dass sie äußerst gereizt reagiert, wenn man sich z.B. fragte: „Wie kann es sein, dass jemand 8 Jahre lang in einem Jobcenter arbeiteten konnte, ohne sanktioniert zu haben?“ Logisch denken war innerhalb der Herde anscheinend verboten.

Als nächstes startete die Herde eine Petition „Sofortige Rücknahme aller Sanktionen gegen die Arbeitsvermittlerin Inge Hannemann“. Damals – und auch heute noch – waren und sind Menschen der Ansicht, Fr. Hannemann wäre gefeuert worden und säße auf der Straße. Dass Fr. Hannemann bei vollen Bezügen freigestellt wurde… war ihr keine Meldung wert…. Was das Wort „Sanktionen“ in der Petition bedeuten soll, ist dem Skeptiker bis heute unklar. Vielleicht deutet es darauf hin, dass sich ALG-II-Empfänger mit einer Arbeitsvermittlerin um jeden Preis solidarisieren wollten? Übrigens zeichneten diese Petition mehr Menschen als die damals schon gestartete Petition Der Linken zur Abschaffung der Sanktionen im SGB II.

Doch dem noch nicht genug. Zu dieser Zeit gab es Flashmobs gegen die Zwangsunterbringung von Gustl Mollath in einer psychiatrischen Einrichtung. Kaum wurde das bekannt, bildeten sich Flashmobs vor Jobcentern. Auf ihren DIN-A-4-Plakaten stand nicht etwa „Hartz IV muss weg!“ oder Ähnliches, nein, da stand „Inge H.“.  Diese 1 – 3-Mann Demos schickten begeistert ihre Fotos über Facebook.

Bei Facebook erstellten Kritiker zwei Seiten – Hanemann Watch und etwas später Hallo Inge Hannemann. Die Herde nutzte diese Seiten nicht zum Lesen, zur Diskussion, geschweige denn, zum Nachdenken. Die Herde machte sich auch keine Gedanken darüber, wieso Fr. Hannemann ganz einfache Fragen, z.B. ob sie sanktioniert hat oder nicht, wieso sie sozialrassistisches Geschmiere auf Bettlaken als mutig empfindet, nicht beantwortet. Die Herde antwortete, wie hier in einigen Beispielen (ohne Namen, die bekannt sind) aufgezeigt:

„Ihr seid erdrückend ScheiSSe mit Eurer MiSSgunst! Nein, das mit den 2 groß geschriebenen „S“ ist keinTippfehler! Ihr seid so! Und das mir das jetzt nicht als Beleidigung auf gefaSSt wird. Es ist meine Meinung und also eine Feststellung! So seid Ihr! Kleingeistige Neider ohne jegliche Emphatie! EGOMANEN! Heult man schön weiter!“

„…geht an manchen Kopfwixer vermutlich vorbei.“

„… wahrscheinlich minderbemittelt ohne Wertschätzung seiner Umgebung“

„Der Verdacht liegt nahe, dass diese Seite von der Agentur für Niedriglohnsektor selbst betrieben wird, um aufzustacheln…“

 

panzerDie Person aus dem screenshot rief öffentlich zum Ansturm auf die Seite von Hannemann Watch auf.

Deutlich kann man an solchen Kommentaren erkennen, dass die Herde es praktisch als unmöglich empfindet bzw. den Kritikern nicht erlaubt, eine freie Meinung, ein freies Denken zu besitzen. Es scheint unfassbar für sie, dass es Menschen gibt, die Herdentrieb skeptisch sehen, ja sogar ablehnen. Dass es Menschen gibt, denen Freiheit wichtig ist.

Anfügen möchte ich hier noch, dass sich um Fr. Hannemann eine Gruppe von Leuten gebildet hat, die jeden, der Fr. Hannemann skeptisch und kritisch sieht, quasi im Internet „auflauern“. Man kann diese mit Wach- und Beißhunden vergleichen – ständig auf der Lauer und sich für keinen, auch noch so verachtenswerten, Kommentar und mehr zu schade.

Dazu „passt“, je nach Blickwinkel, ein Kommentar von Fr. Hannemann:

Zitat: „Inge Hannemann Viel trauriger finde ich, dass immer von Solidarität gesprochen wird, jedoch es Menschen gibt, die alle Mitarbeiter JC verachten, beschimpfen und sonst wohin wünschen und sich damit nicht anders verhalten, wie sie den JC vorwerfen.“

Als letzte Heldentat der Herde darf man nicht ihr Engagement bzgl. der Petition zur Abschaffung der Sanktionen vergessen. In meinen Augen ist dieses Engagement mit einer Maßnahme der Jobcenter zu vergleichen. Man tut etwas für etwas (oder eigentlich doch für jemanden, wenn man ehrlich ist?), dass keine Änderung für sich persönlich herbeiführen wird. Hauptsache man ist beschäftigt – eine Zeit lang. Oder hat wirklich auch nur einer der Unterschriftensammler geglaubt, dass Hartz IV außer Kraft gesetzt würde, wenn die Sanktionen wirklich abgeschafft werden würden? Nochmal: Wenn Sanktionen in der Sozialgesetzgebung, hier betreffend Hartz IV, abgeschafft werden würden, was selbstverständlich begrüßenswert ist, bleibt Hartz IV inklusive der paternalistischen Zuhälterei der Jobcenter und ihrer Agenten weiterhin bestehen und setzt zukünftig selbstdenkende, selbstentscheidende Individuen, die Arbeit suchen unbotmäßig unter Druck. Die Frage an Fr. Hannemann wäre doch gewesen: Was hat sie gegen die Abschaffung von Hartz IV? Warum hat sie euch nicht für die Abschaffung von Hartz IV zum Unterschriftensammeln geschickt? Vielleicht weil sonst ihre Kollegen keine Arbeit mehr hätten? Keinen Ort mehr hätten. an dem sie euch gängeln, beleidigen, diffamieren, bloßstellen können? Kein Instrument mehr hätten, mit dem sie euch hungern und erfrieren lassen können? Zusammen mit euren Kindern? Euren Partnern? Mit jedem, der mit euch zusammen lebt?

 

Auch kann man sich des Eindrucks kaum erwehren, dass sich Die Linke diesem massenpsychologischen Phänomen angeschlossen hat.

Dieser Eindruck bestätigt sich dadurch, dass die Partei DIE LINKE Fr. Hannemann von Anfang an für sich vereinnahmte, sie zu Veranstaltungen einlud, auf denen sie den Mitgliedern (meist an der Basis, in Kreisverbänden) klar machte, wie aus ihrer Sicht mit Hartz IV, den beinhalteten Sanktionen, sowie den Betroffenen umzugehen sei. Durch das Protegieren hochrangiger linker PolitikerInnen wurde ihr der Weg zur Kandidatur für die Hamburgische Bürgerschaft als Nichtmitglied der Linken, freigemacht. Wieso nur geht mir in diesem Zusammenhang immer und immer wieder dieses Lied durch den Kopf?

 

Zum Schluss kommend ende ich mit einem Zitat aus dem Auszug aus dem Register der 927 (oder waren es 928?) ewigen Wahrheiten. (Seite 194. Punkt 18 aus dem Buch von Sheldon B. Kopp – „Triffst du Buddha unterwegs… – Psychotherapie und Selbsterfahrung“ – erschienen im Fischer-Verlag ( Geist und Psyche) unter der ISBN 3-596-23374-7)

18. Wenn du einen Helden hast,sieh noch mal hin: du hast dich selbst irgendwie kleiner gemacht.

 

Empfehlen möchte ich hier auch den Blogeintrag von Unbequem.org – Personenkult

 

Zuckerstück zum Schluss, Nachtrag und logische Schlussfolgerung (nicht herdengeeignet):

In einem Focus-Artikel vom 17.06.2014 gab Fr. Hannemann nun endlich zu, was jeder Kritiker vermutet hat:

 

sanktioniertEntgegen dem Focus-Artikel, es handle sich um „verbreitete Darstellungen“, sollte man festhalten, dass Fr. Hannemann diese Unwahrheit immer und immer wieder selbst behauptet hat.

Eine logische Schlussfolgerung aus dieser Tatsache im Hinblick auf Fr. Hannemanns Abmahn- und Unterlassungs-„Wahn“ bleibt jedem selbst überlassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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