Wie fühlt sich Armut an?

von susizintl

 

wie fühlt sich Armut an

Insbesondere beschämend für alle Hartz IV-Betroffenen empfand ich die Veranstaltung mit Fr. Hannemann mit der Überschrift „Wie fühlt sich Armut an?“

Die Frage, die sich mir stellt, ist: Wie kann jemand, der von Armut nicht unmittelbar betroffen ist, darüber sprechen, wie es sich anfühlt, arm zu sein?

Natürlich ist es unmöglich über ein Gefühl zu sprechen, dass man selbst nicht erlebt hat, zumindest über einen langen Zeitraum nicht erlebt hat. Hier werden Vermutungen geäußert, die sich dann in Wahrheiten darstellen sollen. Selbst Wissenschaftler, nehmen wir einen Soziologen, der niemals Armut erfahren hat, kann nicht explizit und wahrhaftig darüber berichten, wie sich Armut anfühlt. Er kann es wissenschaftlich, empirisch erforschen und sich anhand von seinen wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnissen faktisch ein Bild zu den Umständen machen.

Letztendlich ist es bei der Veranstaltung mit Fr. Hannemann so, wie wir es schon immer in Talkshows gewohnheitsmäßig sehen können, nämlich, dass Menschen über etwas sprechen, von dem sie selbst zumeist nicht betroffen sind. Hierzu ein Beispiel: Wenn ein wohlhabender reicher Mensch, der noch nie auch nur im Geringsten mit persönlicher Armut in Kontakt gekommen ist, einem anderen Gast in der Sendung, der seit vielen Jahren oder schon immer von Armut betroffen ist, erklären möchte, wie er sich in seiner Situation, in der er sich befindet, fühlen soll oder ihm deutlich macht, wie sich Armut anzufühlen hat.

Alles in allem bleibt mir zu sagen, dass ich solche Veranstaltungen zutiefst widerlich und unerträglich empfinde.

 

Wen es interessieren mag, was eine Arbeitsvermittlerin bei der Jobagentur verdient, öffne nachfolgenden Link.

 

Dies ist nun der bisher letzte von 28 Einträgen auf diesem Blog zu dem Thema Fr. Hannemann. Wer bis hierhin durchgehalten hat, bei dem bedanke ich mich sehr herzlich und wünsche, dass vorurteilsfrei über diese Beiträge reflektiert wird. Ich wünsche viel Freude mit den neu gewonnenen Erkenntnissen.

Enden werde ich damit, dass ich zum Ausdruck bringen möchte, dass ich ein absoluter Gegner des Hartz IV-Systems bin, dieses menschenverachtende System zutiefst verachte und all diejenigen, die es umsetzen und davon profitieren auch. Hartz IV muss weg. Die Jobcenter müssen geschlossen werden und Arbeitssuchende müssen wieder von der Bundesanstalt für Arbeit und den dort arbeitenden qualifizierten MitarbeiterInnen bedient werden. Wenn der Gesetzgeber in diesem Land eine Behörde per Gesetz gründet und befähigt, Arbeitssuchende, besser „Erwerbslose“,  durch Folter oder grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe zu unterwerfen, dann verletzt das alle Vorstellungen und Niederschriften der Menschen, die nach dem 2. Weltkrieg ihren Weg in unser aller Grundgesetz gefunden haben, in dem zu aller erst genannt wird „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“. Es steht explizit nicht darin „Die Würde des Jobcenters ist unantastbar. Die Würde des Staates ist unantastbar.“ Es war den Erschaffern unseres Grundgesetzes vollkommen klar, dass nach dem 3. Reich, das so viel Unglück über die Menschen gebracht hat, niemals mehr der Staat oder dessen Organe über der Würde des Einzelnen stehen dürfen. Beispiellos ist die Tatsache, dass Hartz IV aus moralischer, aus humanistischer, philosophischer und sozialpsychologischer Sicht ein gesellschaftliches Karzinom bildet, dass die Gesellschaft und das betroffene Individuum selbst nachhaltig zerstört. Selbst die zahlreichen Brüche der 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948), die mit der Schaffung von Hartz IV einhergehen, scheinen in diesem Land keine bedeutende Rolle zu spielen. Die Bigotterie auf der einen Seite im politischen Tagesgeschäft, nämlich Menschenrechtsbrüche auf das Schärfste zu verurteilen (die zumeist nicht in diesem unserem Lande begangen werden) und gleichzeitig Jobcentern mit ihren MitarbeiterInnen durch Hartz IV die Möglichkeit an die Hand gibt, Menschen zu foltern, die Menschenrechte zu missachten, zeigt deutlich die Verlogenheit, die in unserer Gesellschaft heutzutage scheinbar geflissentlich in Kauf genommen wird.

PS.: Ich gehe davon aus, dass die öffentliche Person Fr. Hannemann und ihr umtriebiger Hammer und Sichel malender Advokat diesen Blog sicherlich durch ihre Herde oder auch selbst finden werden und aufs Neue versuchen werden, SkeptikerInnen und KritikerInnen mit merkwürdigen und seltsamen Rechtsfolgen zu überziehen und mir das Recht, das mir im Artikel 5 Grundgesetz garantiert ist, absprechen wollen. Wenn ich jetzt böse wäre, was ich nicht bin, könnte ich schreiben, dass mich das an das Vorgehen in totalitären Systemen erinnert, wie wir sie schon hatten. Aber das schreibe ich nicht. Nun ist für mich erst einmal alles gesagt und ich kann mich nun endlich dem Kinderbuch widmen, dass ich schon seit viele Jahren schreiben möchte.

Servus

 

 

 

Advertisements